Aloha Hawaii – oder 5 Urlaube für den ersten kleinen Marlin!

Lang lang ist es her - damals Anfang der 80iger des vorigen Jahrhunderts, als es noch keine Handys gab, man noch mit Bedacht und Sorgfalt höfliche Briefe schrieb oder Fax-Kurzmitteilungen auf Thermopapier hin und her wanderten. Auch kam man damals nur mit Mühe an aktuelle Big-Game-Informationen über die IGFA oder deren Repräsentanten, US-Magazine oder Angler mit Ortskenntnissen. Der Kreis der Big Gamer im deutschsprachigen Raum war damals auch noch recht klein – persönlich kannte ich außerhalb des Großraums Frankfurt noch Keinen.

Nach umfangreicher Planung und mit großer Erwartung flogen Martina und ich 1982 (mit mehrtägigem Stopp in San Francisco) nach Oahu-Hawaii. Dort wohnende Bekannte begrüßten uns mit den üblichen Zeremonien und vom ersten Moment an begeisterte und verzauberte uns die Atmosphäre dieser Inselwelt und ihre freundlichen und offenherzigen Bewohnern. Bei solch einem Anfang musste es ein super Urlaub werden. Aber da war ja noch was: So „nebenbei“ wollte ich auch noch Marline und Thunfische fangen – aber nur halb so viele und halb so große wie in den US-Magazinen beschrieben!

Es kam leider anders: Einige schöne Goldmakrelen und Wahoos fing ich zwar, aber leider kam kein einziger Marlinkontakt zustande. Zumindest war aber der Grill reichlich mit leckerem Fisch bedeckt. Unsere Bekannten waren begeistert und ich in Ihren Augen der professionellste und glücklichste Meeresangler überhaupt.

Solche Bilder der Hawaii-Marline verfolgten mich nachts Monate vor der Reise.

Durch den intensiven Kontakt zu den Hawaiianern bekamen wir auch Einblick in die phantastische Welt des Wellenreitens – allein deswegen lohnte sich unsere Hawaiiurlaub!

Unsere Bekannten luden uns in den folgenden Jahren immer wieder und wieder ein; letztendlich wurden es dann fünf Urlaube. Zuletzt zogen Martina und ich sogar ernsthaft in Erwägung ganz nach Hawaii umzusiedeln; das ist aber eine andere Geschichte.

Auch Urlaub Nr. 2 und 3 blieben trotz großen Einsatzes (meinerseits) leider marlinlos. Damals wurde bei mir aber eher zufällig, sozusagen nebenbei meine bis heute große Leidenschaft für alle „Riffbeißer“ geweckt! Vom Einmannkanu aus fing ich einige schöne Exemplare, andere (wenn die Viecher wieder einmal beißfaul in ihren Höhlen hockten) kurzerhand mit der Harpune.

Angesprochen auf mein „überdurchschnittlich großes Marlinpech“ meinten die Marlinboot-Crews immer nur: „Wrong time or wrong place…“. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt (sagt man), aber nach dem vierten Urlaub und über fünfzig Ausfahrten ohne Marlinkontakt, war dann auch meine (damalige) Frustrationsgrenze erreicht – niemals mehr zum Marlinangeln nach Hawaii?

Im nächsten Jahr landeten wir dann doch wieder dort; aber diesmal klappte es endlich mit meinem „ersten hart erkämpften Marlin“ auf Hawaii. Bei Ausfahrt Nr. 61 und wohl am tiefsten Frustrationspunkt meines bisherigen Anglerlebens kam endlich mein erlösender „Marlin-Strike Number 1“; kurz danach verlor ich Nr. 2: einen großen Blauen Marlin beim Drill; erst dann „erbarmte sich Einer meiner“: es war ein kleiner Gestreifter Marlin mit ca. 120 lb!

Voller Stolz brachten wir den Fisch zur Marina, filetierten ihn, nahmen die besten Stücke für uns; den Rest konnten wir an ein Restaurant in Honolulu verkaufen!

Also Leute, die zweite Überschrift soll heißen: „Fünfmal Urlaub auf Hawaii um einen kleinen Marlin zu fangen“ – so hart und ungerecht kann die Angelwelt (leider auch) sein!?

Warum bleibt mir letztendlich diese Quälerei und Frustration doch in so angenehmer Erinnerung? Vielleicht ist doch irgendwie auch dieses „Hin und Her gerissen werden“ zwischen Hoffnung, Frustration und Glück ein Ziel beim Angeln oder andersrum: Wenn es zu einfach war, wird es scheinbar leider schnell langweilig; auch verliert die Marlinjagd dabei nach und nach ihren Reiz und Zauber; die magischen Momente verlieren sich dabei im Nichts. Unser aller Vorbild Ernest Hemingway, selbst ein überaus erfahrener und leidenschaftlicher Marlinangler, hat das Ganze wohl lange vor uns noch tiefer und intensiver durchlebt und auch irgendwie voraus gesehen, bevor er sich daranmachte sein Meisterwerk der Nachwelt zu schenken. Lernen wir von ihm und setzen seinen Roman „Der alte Mann und das Meer“ für immer als unser Maß und Leitlinie ein!

Das auf Hawaii in regelmäßigen Abständen kapitale Fische gefangen werden ist bekannt – hier eine wirklich nur kleine Übersicht dieser Traumfische.

Seit meiner damaligen Marlin-Durststrecke läuft es übrigens überdurchschnittlich gut - der Marlin-Knoten scheint nun für alle Zeiten geplatzt zu sein!? Oder wollte mich der Gott der Meere vielleicht doch nur vor diesem gefährlichen und unheilbaren Marlinfieber bewahren? Da ich aber uneinsichtig war und immer noch bin, nehmen seither die Dinge ihren Lauf – schauen wir mal wie es weitergeht mit den Marlinen und mir.

Foto: goells.com


Stephan Kreupl im August 2008