Pez Vela

»Costa Ricas Segelfische«

Der Wind hat nachgelassen und die Ausfahrten sind wieder möglich. Vier Tage liegen noch vor uns und hoffentlich bleibt uns Poseidon günstig gestimmt. Wetter, Strömung, Wassertemperatur und sogar die Mondphase stimmen. Um 6:00 Uhr geht es los. Unser Boot entspricht dem US-Standard und die Crew ist eine der besten hier in Flamingo.

Vier Dutzend fertigmontierte Baloas liegen
in der Eisbox


Unsere 20 und 30 lb Stand-Up Ausrüstungen sind ebenfalls einsatzbereit. Noch etwas Geduld und unser Fanggebiet ist erreicht. Drop Back ist angesagt, das heißt aufmerksam die Köder beobachten und bei der kleinsten Attacke reagieren. Wie immer sieht unser Crewman als erster die Segelfische. Wir nehmen unsere Ruten auf und erwarten die Strikes. Plötzlich, ein Schatten ist direkt hinter einem Köder, der Segelfisch ist aber nur neugierig und spielt mit ihm. Die dritte Runde, die Aufmerksamkeit lässt nach. Die Ruten sind wieder in den Haltern, ein Schlag, die Leinen fliegen aus den Outriggerklammern. Bei den direktgeschleppten Ruten reißen die Gummis. Ein Viererstrike, da kommt Freude auf. Ran an die Ruten, fünf Sekunden laufen lassen, Kontakt aufnehmen und Anhieb. Albrecht und ich setzen gleichzeitig, kurzer Run, zwei Segelfische springen aus dem Wasser. Christa zieht nach, jetzt sind es drei. Eine Rute läuft noch, unser Crewman muss eingreifen, jetzt springen vier Segelfische wild durcheinander. Ein Anblick den man nie vergisst! Einer verabschiedet sich, die anderen fangen wir nacheinander und werden sofort wieder freigelassen, in Costa Rica eine Ehrensache. Wir fangen an zwei Tagen 15 Segelfische, einige gute Goldmakrelen und kleinere Gelbflossenthune. Für die letzten beiden Tage nehmen wir uns etwas Besonderes vor. Wir wollen gezielt mit der Spinn- und Fliegenrute angreifen.


120+ lb Sailfisch mit 20er gefangen.

Und so funktioniert das


Die Crew lässt über die Outrigger Teaser (Kunstköder zum Locken ohne Haken) laufen. Greift ein Segelfisch an, wird der Teaser schnell eingezogen. In der Regel folgt der Fisch und wird, da er den Teaser nicht festhalten kann, immer aggressiver. Ist er in Wurfweite, muss der Angler den Zeitpunkt abwarten, wenn der Teaser aus dem Wasser gehoben wird. Jetzt muss der zwar kurze aber exakte Wurf kommen! In der Regel ist der Fisch so heiß, dass er den Köder sofort packt und davonsaust. Bei uns hat es nach einigen Anlaufproblemen geklappt.

Fünf Segelfische, davon zwei mit der Fliegenrute waren das Highlight unseres Urlaubs. Costa Rica war wieder ein voller Erfolg und hat unsere Erwartung und Fangergebnisse der früheren Jahre übertroffen. Eine Fliegen- und Spinnangel brachen, zwei Rollen gaben ihren Geist auf und mussten zur Wartung. Unsere Crew war vom feinsten, die Jungs sind mit ganzem Herzen dabei und selbst leidenschaftliche Angler. Mit einer Fliegenrute überrascht man hier niemanden; man lernt höchstens noch etwas dazu. Nehmen Sie sich aber auch genügend Zeit für Land und Leute. Wunderschöne Strände und Landschaft bieten auch etwas für Nichtangler.

Bei diesem Costa-Rica-Sail wurde der Weltrekord nur knapp verfehlt.
Angeln auf Segelfisch mit leichtem Gerät ist immer ein Erlebnis.

Mahi-Mahi

»Mit der Fliegen- und Spinnenrute
auf Dorado«

Seit zwei Tagen bläst eine starke Brise aus Süd-West. Nicht normal an Costa Ricas Pazifikküste im Juli. Die erste Woche war vom Feinsten, wir fingen 24 Sails zwischen 80 und 150 lb. Jammern nutzt nichts, wir müssen uns etwas einfallen lassen. Unsere Crew gibt uns eine Adresse. Wir sollen es mit einem kleinen Boot im windgeschützten Golf von Nykoya probieren. Luis ist der stolze Besitzer dieses Bootes. Es ist 8 m lang und mit einem Außenborder und einem Outrigger ausgestattet. Luis verlangt für 8 Stunden $ 150 und den Fang. Er beschreibt den Golf von Nikoya als den besten Angelplatz auf der Welt: „Pez Vela, Marlin Negro, Azul...“. Wir glauben es und willigen ein. „Manana por la manana a la seis”! Ermahnt uns Luis zur Pünktlichkeit. Am nächsten Morgen um 9.00 Uhr ist dann endlich alles klar und wir stechen in See. Trotz seiner Verspätung hat er alles bestens vorbereitet – Baloas, Mullet alles fertig montiert!

Wir schleppen mit drei Ruten mit 4 bis 6 Knoten


Nach einer Stunde: „Mahi-Mahi izquierda“. Wir ändern den Kurs in Richtung einer im Wasser treibenden Baumkrone. Wir schleppen unsere Köder im Abstand von fünf Metern vorbei. Plötzlich ein Schlag, drei „Goldpfeile“ haben unsere Köder gepackt. Zwei fangen wir, die größte lassen wir im Wasser, Luis muss sie am Boot halten. Albrecht greift die Spinn- ich meine Fliegenrute. Mein Streamer ist noch nicht richtig abgesunken, da packt ihn auch schon eine Goldmakrele. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Scheinbar steht ein großer Schwarm unter der Baumkrone. Mit einer Spinnrute tut man sich zwar leichter, aber eine solche Gelegenheit darf sich ein Fliegenfischer nicht entgehen lassen! Ich werfe mit meiner 10er Rute ca. 15 bis 25 m seitlich an der Baumkrone vorbei und ziehe den Streamer ruckartig und relativ schnell mit der linken Hand heran. Meist dauert es keine zehn Sekunden und eine Goldmakrele packt wieder zu.

Eine Goldmakrele an der Fliegenrute, wer das erlebt hat, wird mich verstehen. Nach drei Stunden schmerzen die Arme, Albrecht angelt mittlerweile mit abgebrochener Rutenspitze und mein letzter Streamer ist zerzaust und der Leader aufgerauht. Auch wollen wir nicht den ganzen Schwarm ausrotten. Wir fahren weiter und zählen unsere Beute. 27 Fische mit einem Gesamtgewicht von ca. 150 kg. Der größte wiegt 16 kg, mit der Fliegenrute (12lb Tippet) 12 kg. Luis Augen beginnen zu leuchten. Man sieht ihm an, wie er den Gewinn überschlägt. Mahi-Mahi ist in Costa Rica als Speisefisch sehr beliebt. Am Abend organisiert er mit Freunden ein Fischessen. Natürlich sind wir die Ehrengäste – hat sich ebenfalls gelohnt!

Noch eins zum Thema Offshore-Fly


Wer meint, das SW-Fliegenfischen sei die „Krönung des Meeresangelns“, irrt gewaltig. Es ist nicht sinnvoll auf Thunfische und Marline sein Glück zu versuchen, wenn man die Technik nicht beherrscht und/oder mit dem Boot nachfahren kann. Mit der Fliegenrolle 500 m oder mehr ausgelaufene Leine (ohne Übersetzung) reinkurbeln, ergibt keinen Sinn. Das SW-Fliegenfischen war und ist die Angelmethode in und um die Flats (In- und Onshore).

Ein Muss für jeden Fliegenfischer – Die schönsten Goldmakrelen fingen wir in den Gewässern vor Rodrigues.