6. Rekordversuch zum offiziell gewogenen Marlin Grander Slam.

Geplant waren für diesen Trip 11 Angeltage auf der Amokura mit Skipper Brett Goetze und den Mates Jake Wyatt, Mitch Shiels und Matt Wright. Zielfisch: der gewogene Grander Black Marlin. Die Vorzeichen sahen recht gut aus. Anfang der Saison (September/Oktober) wurden hohe Stückzahlen und große Fische gefangen.

Diesmal sollte es doch klappen, aber wie so oft kommt es meistens anders als man denkt ...

Es ging schon damit los, dass wir auf Grund einer ungünstigen Strömung an den Ribbon Reefs, die grünes Wasser mit sich brachte, den geplanten Start von Cooktown nach Port Douglas verlegen mussten. Dazu kamen sportliche Wetterverhältnisse mit Windstärken zwischen 20 und 35 Knoten und ordentlich Regen – juhuhhhh.

Alle Charterboote hatten mit dem Problem des grünen Wassers und der rauen See zu kämpfen und die Angelei verlegte sich in den ersten Tagen hauptsächlich auf die berühmt-berüchtigte Linden Bank. Auch das Angeln auf so genannte Köderfische (King Makrelen, Thunfische etc.) gestaltete sich im Vergleich zu den nördlich liegenden Riffen des Great Barrier Reef’s recht zäh. Auf der Linden Bank waren dann die ersten Tage bis zu 15 Charterboote unterwegs - auch wir waren dabei. Die Chancen für unser Vorhaben lagen im ein-prozentigen Bereich. Dazu kommt noch, dass sich auf der Linden Bank viele große Haie aufhalten.

Nachdem an unserem ersten Angeltag dort auch noch sehr wenig gefangen wurde und wir keinen Fisch gesehen hatten, haben wir uns entschieden, am darauf folgenden Tag zu den weiter südlich gelegenen Riffen zu fahren. Am 2. und 3. Tag hatten wir insgesamt 5 Bisse von kleinen Marlinen und fingen 2 davon.

Am 4. Tag hat es am Mittag kurz vor 3 Uhr gekracht. Wir markierten auf unserem Echolot einen kleinen und einen großen Marlin in 50 Meter Wassertiefe und bekamen kurz darauf einen Monsterbiss. Der Fisch hat sich den größten Köder geschnappt und ist sofort wieder abgetaucht. Nach einer Stunde konnte Mitch, unser Wireman, das Vorfach zum ersten Mal greifen. Der Fisch stand unter dem Boot und bewegte sich keinen Zentimeter. Mitch konnte ihn nicht lange halten und der Marlin tauchte wieder ab. Die Bremseinstellung stand auf Anschlag (Sunset) und das bedeutet ca. 60 lbs. Da ist eine Menge Druck auf der Leitung. Nach 2 Stunden bekamen wir die Doppelleine zum 2. Mal kurz zu sehen und der Marlin tauchte erneut wieder ab. Brett fuhr alle möglichen Bootsmanöver um den Fisch aus dem Gleichgewicht zu bekommen – bis dahin ohne Erfolg. 

Uns allen war schnell klar, dass es der Rekordfisch für uns sein könnte und die Gaffs lagen bereit. Nach etwas über 3 Stunden und mit vereinten Kräften (Bremse komplett zu, beide Hände drauf und die Jungs haben am Harness noch mitgezogen und sichergestellt, dass ich nicht über Bord gehe) haben wir das Vorfach zum 2. Mal zu fassen bekommen. Mitch hat nicht mehr losgelassen und der Marlin kam mit dem Kopf voraus an die Oberfläche. Jake und Matt setzten die Gaffs und dann war es auch schnell vorbei. 

Die Freude war riesengroß und wir lagen uns in den Armen, denn keiner von uns glaubte den Marlin jemals fangen geschweige denn zu Gesicht zu bekommen. Zu fünft zogen wir den Fisch ins Boot und vermassten ihn. Die Länge von 147 Inch (short length) reicht normalerweise für einen Grander, doch leider fehlte es ihm an Umfang und Masse. Laut Formel haben wir 914 lbs errechnet und uns war klar, dass selbst wenn er noch einige große Fische im Magen gehabt hätte, es nicht reichen würde. Knapp daneben ist leider auch vorbei.

Am 5. Tag mussten wir auf Grund eines schweren Sturms mit über 35 Knoten Wind zurück nach Port Douglas in die Marina. Der darauffolgende Tag fiel aus. Wir fuhren nach Cairns zum Shopping und warteten auf besseres Wetter.

Die restlichen Tage gestalteten sich ähnlich zäh, sportliche Wetterbedingungen gepaart mit grünem Wasser und wenig Fisch für alle. Wir haben noch weitere 3 Schwarze Marline mit bis zu geschätzten 800 Pfund und einen kleinen Blauen Marlin gefangen. In diesen Tagen hatten wir noch einen Monsterbiss. Der Marlin schraubte sich gleich danach in Zeitlupe aus dem Wasser und sprang mit großen Sätzen auf und zu und schüttelte den Köderfisch mit Haken wieder ab. Bad Luck, er war sehr groß, ob er groß genug gewesen wäre lässt sich nur schwer sagen.

Nach nunmehr 70 Angeltagen am Great Barrier Reef und 55 gefangenen Marlinen, hatte ich nur 2 Fische mit weit über 1000 Pfund an der Angel. Einer war schon am Gaff und kam wieder frei. Der andere Fisch schüttelte den Haken am Vorfach wieder ab. Jeder der behauptet, es sei einfach, einen gewogenen Grander Black Marlin dort zu fangen, braucht aus meiner Sicht verdammt viel Glück. Dann besteht noch ein riesen Unterschied zwischen einem so genannten releasten Grander und einem Grander im Boot. Wenn es so einfach wäre, hätte es auch schon längst jemand den Marlin Grander Slam geschafft.

Vielen Dank an die Amokura Gang mit Brett, Jake, Mitch und Matt – wir haben wirklich alles versucht und sau-hart gearbeitet. In der Regel waren wir immer das erste und letzte Boot im Einsatz. Für die kommende Saison ist der nächste Anlauf bereits in Planung. Getreu dem Motto – we try harder and never give up ☺

Wenn sich die Möglichkeit ergab und die Strömung nicht zu stark war, haben wir unsere Jigs runtergelassen und ein paar Riffbeisser gefangen. Apropos Riffbeisser, beim Jiggen haben uns so einige Haie die gehakten Fische vom Haken genommen – auch dabei muss man alles geben und sau-schnell sein.

Abends, wenn wir vor Anker lagen und die Unterwasserlichter ins Meer strahlten, konnte man sich ordentlich mit der Fliegenrute austoben – good fun.

Tight Lines
Stephan Kreupl
Im Dezember 2017