Marlin Grander Slam die Erste

Great Barrier Reef 2011

Nach dem Fang meines zweiten Marlin Granders vor den Kapverdischen Inseln im Mai 2011, kam von mehreren mir wichtigen Anglerfreunden der Hinweis und auch die Aufforderung: „Junge, jetzt musst Du aber auch noch einen Black Marlin Grander auf die Schuppen legen.“ Nachdem auch ich mich mit dem Plan angefreundet hatte, versuchte ich zuerst mal herauszufinden, ob und ggf. wie viele Angler bisher überhaupt die drei möglichen Marlin-Grander fingen. Meine Nachforschungen ergaben: Bis dato hat weltweit noch kein Angler einen Pazifik, Atlantik Blue Marlin und einen Black Marlin mit einem Gewicht von oder über 1000 lb. (453,56kg) gefangen! Wo meine Chance für einen Black Marlin Grander am größten ist, war mir von vorne herein klar. Ich musste also nur noch herausfinden, welches Boot dort den besten Ruf hat. Offenbar scheint momentan Kapitän Tim Richardson und sein Boot TRADITION die beste Adresse dafür zu sein.

Also nahm ich Kontakt zu Tim auf und begann generalstabsmäßig mit der Planung. Wie sich später zeigen sollte, ist die Organisation einer solchen Reise eine große logistische Herausforderung, die ich ohne Martinas Hilfe wohl nur schwerlich alleine bewältigt hätte! Tim startet mit seinem Boot von Cooktown aus. Das hieß für mich: Abflug in Frankfurt, Zwischenlandungen in Abu Dhabi, Sydney und Cairns, dort dann noch ein Aufenthalt von eineinhalb Tagen, um dann mit dem Buschflieger nach einer Gesamtreisezeit von 32 Stunden an meinem Ziel Cooktown endlich anzukommen.

Meine Bordkameraden für die nächsten 14 Tage: Tim Richardson Australier, Kapitän und Eigner der TRADITION; Scuba Steve Hall USA, Decki; Carl Copeland USA, Decki und der Profifotograf Scott Kerrigan USA, warteten schon auf mich. Nach kurzer Begrüßung ging es dann auch gleich los. Ziel war der zirka 50 Seemeilen von Cooktown entfernt liegende Great Barriere Reef und dort der Sektor „Ribon No. 10“. Die Jungs hatten drei Tage vor meiner Ankunft einen Grander mit 1103 lb. gefangen; große Marline waren also da.

Mit dem Anglerglück ist aber wohl kein längerer Bund zu flechten oder: Zwei Grander in 2011 sollte oder durfte wohl nicht sein!? Obwohl Kapitän und Crew hochmotiviert und professionell waren und ich mir die größte Mühe gab, muss mein „Grand Slam“ noch (etwas) warten. Keinen Grander fangen heißt aber noch lange nicht, dass mein Angeltrip nach Australien erfolglos war; denn Schließlich hatten wir insgesamt 29 Black Marline hinter dem Boot, dabei 19 Bisse und fingen davon 9. Unsere gefangenen Fische schätzten die Jungs von 150 bis 600 lb.; zwei 700er Marline blieben nicht hängen und ein Kapitaler hakte leider nach 35 Minuten härtestem Drill kurz hinter dem Boot aus – das war auch meines Erachtens der einzige Marlin, der vielleicht die magische Grenze von 1000 lb. hätte knacken können!?

Andere Boote hatten bei ihren Stückgewichten dort mehr Glück; einige ihrer (freigelassenen) Marline lagen geschätzt über der magischen Grenze. Mit dem Wetter hatte ich leider auch etwas Pech. Die erste Woche war zwar ein Traum: Spiegelglatte und (fast schon zu) ruhige See; in der zweiten Woche genau das Gegenteil: Sturmböen bis 38 Knoten Windgeschwindigkeit, Wellen bis vier Meter und sintflutartiger Tropenregen. Meine Schlafkoje lag direkt über der Ankerkette im Bug der TRADITION und ich hatte in den stürmischen Nächten dort mehrmals den Eindruck die Ankerkette sei gerissen.

Auf Black Marlin vorm Great Barrier Reef

In der Regel wird dort mit 130er-Gerät gefischt. Die Ruten sind „extrahart“ und lassen sich nur unter Volllast (etwas) durchbiegen. Im Abstand von zirka 30 Metern werden zwei extra dafür (mit viel Liebe und Sorgfalt präparierte) tote Köderfische über die Outrigger mit zirka sieben Knoten an der Oberfläche geschleppt; dabei wird ein „Drop Back Slack“ von zwanzig Metern ausgelegt und nachgezogen. Nach einem Hook-Up muss der Angler den Marlin so schnell wie nur möglich ans Boot drillen; ansonsten besteht die große Gefahr, dass er von den vielen Riffhaien aufgefressen wird. So läuft es in der Regel so ab: Wenn der Biss kommt, zieht der Angler seine Rollenbremse zurück auf die „Free Spool“ Position, beobachtet den Lauf der Leine und richtet sich aus, schiebt dann die Bremse auf 25 lb., kurbelt schnell ein bis er den Zug deutlich spürt und geht sogleich (für zirka zwanzig Sekunden) auf 45 lb. – das ist der Anschlag/Hookup! Sitzt der Haken, stellt der Angler die Bremse wieder zurück auf 25 lb., nimmt die Rute aus der Reling und setzt sich in den Kampfstuhl, beginnt sofort zu Drillen und zwar so hart wie nur möglich. Ich erhöhte in dieser Hauptdrillphase die Bremskraft zeitweise bis auf 65 lb. – mich hat es dabei dreimal aus dem Stuhl gehebelt!

Während der ganzen Zeit laufen immer vier Kameras mit: Zwei an Deck, eine auf dem Tuna Tower – in diesem steht der Kapitän, unabhängig von Wetter und Seegang, während der ganzen Marlinjagd! Auch läuft eine Unterwasserkamera mit; diese Bilder werden auch zeitgleich auf einem großen Flatscreen an Bord gezeigt und aufgezeichnet. Hat der Skipper einen Marlin gesichtet, meldet er sofort laut nach unten: „Markt one“ – Adrenalin ohne Ende und eine Gefühlsachterbahnfahrt ist dabei garantiert!

„Catch & Release“ am Great Barrier Reef

Das Mitnehmen von Fischen ist kein Problem; man sollte sich dabei aber immer klar darüber sein, was später mit dem Marlin passiert! Sie werden nämlich nach dem Wiegen an die Haie verfüttert. Das Ganze soll übrigens ein riesen Spektakel sein, da auch oft Monstertigerhaie sich an diesem Festmahl beteiligen.

Wie lief der Tag an Bord ab

Gegen halb acht in der Früh gab es Frühstück. Dann kam der Köderfischfang, das hieß: Jeden Morgen gezieltes, intensives und erfolgreiches Lighttacklefischen auf Kingfish, Makrelen, Skipjacks, Yellowfins, Rainbowrunner u.A. mit Gewichten bis zu 50 lb. war ein Muss!

Zwischendrin wurde immer mal an den Hotspots für GT meist erfolgreich gepoppert. Für mich war das immer ein riesen Spaß!

Dann kam eine „Angelpause“ und es stand Schnorcheln plus fischen mit der Harpune auf dem Programm – eine große Leidenschaft der Australier. Die Jungs schossen mit Vorliebe Coral Trouts; diese exzellenten Speisefische stehen scheinbar aber auch bei den Haien ganz oben auf dem Speisezettel! Ich schnorchelte schon in vielen Riffen, aber was ich am Great Barriere Reef bestaunen und entdecken durfte, ist meines Erachtens „überparadiesisch“. Hier nur ein kleiner Teil dortigen Artenvielfalt: Riffhaie, Schildkröten, Rochen, Korallenbänke in allen nur erdenklichen Farben, Barrakuda-Schwärme, Seeschlangen und Goliatgrouper bis 300 lb. – die ich mit der Hand füttern konnte und vor denen sogar die Haie einen weiten Bogen machten! Das tägliche Schnorcheln war für mich eine Zeit der Ruhe und Entspannung; auch erkannte ich dabei erneut, dass ein Erleben und Fühlen „der Leichtigkeit des Seins“ tatsächlich realisierbar ist. Auch hatte ich den Eindruck, dass dort noch nie ein Mensch vor mir im Wasser war.

RESÜMEE

Insgesamt gesehen, war es für mich eine tolle Zeit. Auch ist das Great Barrier Reef nach meinem Dafürhalten der einzige Platz, an dem eine reelle Chance besteht einen großen Black Marline zu fangen – nur springen auch dort die Grander einem nicht gleich ins Boot!

Wir waren ein super Team, hatten viel Spaß miteinander und erlebten spannende Angelabenteuer – das ist für mich das Wichtigste! Deshalb nochmals hier meinen Dank und viele Grüße an die Jungs: Ich drücke Euch die Daumen für den Rest der Saison. Bis nächstes Jahr zum nächsten Anlauf.

Mehr Informationen über Tim Richardson und seine Tradition: www.traditioncharters.com

Mehr Informationen über den Fotografen Scott Kerrigan:
www.aquapaparazzi.com

Stephan Kreupl im November 2011