Sao Miguel im Sommer 2012

Marlin-Angeln in Zeiten der Wetterkapriolen

Gemeinsam mit anderen Hobby-Meeresanglern in der „Marlin Champions-League“ antreten um ggf. dabei auch noch den ein oder anderen Blauen und Weißen zu fangen, war die Zielvorgabe bei der Planung unseres Angel-Abenteuers: „Im Sommer 2012 mit Peter + Robert vor Sao Miguel“. Die Bedingungen und Vorgaben dafür waren: Ein 24 Fuß- Boot mit nur einem Inborder, die Drills Stand-Up, Mitarbeit an Bord ein Muss und (wenn vorhanden) auch noch mit eigenem Gerät. Gezielt schrieb ich Ende 2011 Bekannte und Anglerfreude an; trotz anfänglichem Zögern trauten sich dann doch vier Teams und ein Einzelangler.
Ende Juli reiste die 1. Gruppe, drei tschechische Angler-Freunde an. Von allen Teilnehmern hatten sie mit Abstand die idealsten Wetter- und Seebedingungen! Auch waren Ende Juli bis Anfang August sehr viele Weißen Marline vor Ort.

Aber erst gegen Ende ihres Aufenthaltes waren die Blauen da; die hatten dann aber ordentliche Stückgewichte und forderten den Jungs einiges ab.

Für mich war es ein Riesenspaß, mit den noch „unverdorbenen“ Anglern aus Böhmen und Mähren zu angeln und auch die gemeinsamen Abende sind unvergessen!

Die 2. Gruppe hatte zwar eine höhere Hook-Up-Quote, aber leider verschlechterten sich die Wetterbedingungen von Tag zu Tag.

Besonders Erwähnung verdient mein bayrischer Angel-Spezl Helmut: Er musste zwei große Marline kurz hintereinander drillen. Leider verlor er den ersten Marlin nach hartem Kampf; den zweiten Kracher fing er dann! Zwei solch harte Stand-Up-Drills an schwerem Gerät – mein Respekt vor einer solchen Leistung!

Ende August zog der Tropensturm „Gordon“ über uns hinweg und machte das Angeln für mehrere Tage unmöglich.

Poseidon sei Dank verbesserten sich die Bedingungen für unsere dritte Gruppe. Die Regenfronten und unberechenbare Dünung blieben uns aber erhalten. Die Marline schien das nicht sonderlich zu stören; harte Kämpfe mit großen Marlinen

und zeitweise auch noch in strömenden Regen, hielten unsere drei Pfälzer-Jungs aber eisern durch.

Die deutsch-türkische Gruppe hatte wohl vorab mit dem Gott des Meeres und der Winde einen Pakt geschlossen.

Dass die beiden Glücklichen dann auch die meisten Marline fingen, erklärt sich da wohl von selbst.

Mein Balıkçı Kardeşim Timur fing dann auch noch den größten Marlin auf der MEA 2012!

Kaum waren die beiden weg, verschlechterte sich das Wetter wieder und gegen alle Regeln der Hurrikan-Vorhersagen hielt auch noch die wilde „Nadine“ Kurs auf die Azoren. Zwei Tropenstürme in einem Sommer, daran können sich selbst ältere Insulaner nicht erinnern.
Mein Nederlandse Vismaat Mark hatte trotzdem noch Anglerglück in diesem Wetterunglück; obwohl wir nur zwei Tage raus konnten, fing er zwei gute Marline!

Poseidon sei Dank, konnten wir die meisten gefangenen Marline wieder schnell und auch noch munter freilassen!

Nach dem 15. September verschlechterte sich das Wetter noch mehr und zu allem Übel kam „Nadine“ immer näher. Deshalb beendete ich am 18. September vorzeitig meinen „Marlin-Kampfeinsatz auf den Azoren“.

Resümee und Einsichten:

  • Niemand verletzte sich ernsthaft – für mich das Wichtigste!
  • Jeder Teilnehmer fing mindestens einen Marlin; nach meiner Einschätzung war keiner leichter als 200 kg; den Schwersten schätzte ich auf weit über 300 kg.
  • Das „Angeln als Team“ funktionierte mit Allen!
  • Trotzdem eine Empfehlung: Jeder der sich „Stand-Up“ mit größeren Marlinen anlegen will, sollte körperlich fit und auch mental stabil sein - denn schließlich will er sich hier an die Grenzen seiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit begeben. Aber! Ganz ohne Stand-Up-Praxiserfahrung geht es so oder so nicht bzw. das Ganze enden m. E. garantiert im Chaos und der Angler erlebt ein (doppeltes) blaues Wunder!
  • Meines Erachtens ist das Marlin-Angeln von kleinen Booten auch vor Sao Miguel möglich. Aber! Wetter, Wind und Wellen müssen dafür ideal sein; andernfalls wird das Ganze zu einem reinen Lotteriespiel mit minimalen Chancen.
  • Meine Eindrücke und Erlebnisse als „Mann am Vorfach“: Die Spannung bzw. der Nervenkitzel und das überwältigende Gefühl solche großen Fische am Vorfach zu halten und zu führen ist nur schwer zu überbieten.

Aber bitte immer auch daran denken: Man steht dabei auch immer mit einem Fuß in den ewigen Fischgründen! Deshalb auch an dieser Stelle meinen Respekt und meine Hochachtung vor den Crews, die Jahr ein Jahr aus damit ihr Geld verdienen.

  • Leider wurde mir erst zu Hause richtig klar, dass ich bei solchen schlechten Wetterbedingungen (zumindest zeitweise) zu viel riskierte!
  • Wie in 2011 waren unsere BWF-Lure Modelle „Big Smoker“ und „Grander 1238“ plus Einhaken-Montagen die erfolgreichsten Köder.

Als würdiger Abschluss hier nochmal mein Dank und Hochachtung an alle Teilnehmer – Jungs, es war eine super Zeit mit Euch!

Robert Rein, München im November 2012