Delta del Rio Ebro

»Spanien«

Knapp zwei Flugstunden, dann noch zwei Stunden mit dem Auto und man ist in einem der besten Küstenreviere Europas, im Ebrodelta. 206 km südlich von Barcelona gelegen, erstreckt sich das Delta 23 km breit und 26 km tief in die Costa Dorada. Nördlich liegt der Badeort Riomar, südlich Eucalyptus. Ideal für einen Kombiurlaub: „Angeln und Familie“.

Wie organisiert man das Ganze und was ist möglich?

In der Regel mieten sich Angelurlauber von zu Hause aus ein Boot und einen Bungalow oder gehen auf den Campingplatz. Die idealen Boote für das Angeln im Delta sind 5 bis 6 m lang, mit Außenbordern 20 bis 40 PS bestückt und mit einer Steuerkonsole ausgestattet. Ein Boot dieser Größe und Motorisierung ist schon ab DM 500 pro Woche zu haben. Zusätzlich ist die katalonische Küstenangellizenz für DM 60 (2 Jahre gültig) notwendig. Kapitän, Vorfachmann und Angler in einer Person – das schaffen nur alte Hasen. Deshalb empfiehlt sich das Angeln im Team, am besten zwei Angler. Eigenes Gerät muss mitgebracht werden! Wer weiter raus will, kann sich bei Julio Bellaubi in Riomar ein Offshore-Boot (9 m) inklusive Köder, Gerät und Crew (8 Stunden für DM 600) chartern und sein Glück auf Blauflossenthun, Broadbill und andere Offshore-Fische versuchen.
Die (Standard-)Erfolgsaussichten auf Makrele, Bonito und Blaubarsch (Bluefish) sind sehr gut. Mit etwas Glück gesellen sich Palometas (Englisch: Leerfish oder Garrick) und mit viel Glück Pez Lemons (Amberjack) hinzu, die erstgenannten mit einem Durchschnittsgewicht um: 15 kg, Maximalgewicht: 35 kg, die letztgenannten: 20,50 kg. In Sternstunden sind sogar größere Stückzahlen möglich; aber auch hier in Spanien gilt Selbstbeschränkung – „Catch & Release“ lässt grüßen!

Reinhold Schwarzwälder mit 22 kg Amberjack

Fischarten und die Saison

Letztes Jahr versuchten wir unser Glück, leider machte uns das Wetter am dritten Angeltag einen Strich durch die Rechnung. Sinnflutartige Regenfälle und Sturm beendeten unser Testangeln. Trotzdem, dank den Anweisungen und der GPS-Karte unseres Angelfreundes Reinhold Schwarzwälder fanden wir gleich am ersten Tag ein gutes Gebiet und fingen zwei Palometas um 10 kg. Lassen wir deshalb Reinhold berichten, er hat schon manches Angelabenteuer am Ebro erlebt und kann Geschichten erzählen!

Ein erfolgreicher Angeltag im Ebrodelta

Gegen 9.00 Uhr aufstehen, gemütlich frühstücken um 10.00 Uhr belade ich mein Boot und dann muss ich (leider) zuerst zum Köderfischangeln. Frische Meeräschen sind meine Lieblingsköder; leider sind sie aber nicht einfach zu fangen und meist (für mich) das größte Problem des Tages! Es gibt viele Methoden und (geheime) Tricks, mein Tipp: Tiroler Hölzl mit dunkler Nymphe der Größe 12–14. Heute brauche ich bis Mittag, dann habe ich endlich neun Meeräschen in der richtigen Größe (1–2 Pfund) beisammen. Gleich hinter der Sandbank ködere ich zwei Äschen an und schleppe mit 2 bis 3 Knoten 20–30 m „kurz“ und 80–100 m „lang“, bei weicher Bremseinstellung und eingeschalteter Knarre, direkt über die Rutenspitze.

Echolot und GPS sind eingeschaltet und auf geht es, Kurs tiefes Wasser. Noch keine 500 m habe ich hinter mich gebracht da läuft auch schon die kurze Leine; ich fahre weiter und beobachte die Wasseroberfläche. Wieder läuft die Leine mehrmals kurz an – das wird doch kein ... ; jetzt läuft auch die zweite Leine, hoffentlich kein Blaubarsch. Schnell hole ich ein – oh nein, drei Blaubarsche sprinten hinter der Äsche her: Wer das Rennen macht ist klar; 15 Meter hinter dem Boot beißt einer der Blaubarsche meine Meeräsche glatt durch. Das Wasser ist hier glasklar und ich muss hilflos zuschauen wie meine Köder von den „Ebropiranhas“ aufgefressen werden. Zwei mühsam gefangene Äschen verloren und das bereits nach 10 Minuten – das fängt ja heute gut an. Jammern nutzt nichts, Gas geben und ab ins tiefere Wasser, bevor ich hier noch weitere Köderfische verliere. 10 Minuten später erreiche ich den ersten „GPS-Wegepunkt“, anködern und weiter geht es. Jetzt kann ich endlich ausgiebig den leuchtend blauen Himmel, das tiefblaue Wasser und den herrlichen Sonnenschein genießen – so muss Meeresangeln sein, einfach herrlich! Na ja, jetzt ein Fisch wäre auch nicht zu verachten. „Wegepunkt 2“ bringt auch keinen Erfolg – die Rollen schweigen.

Nach ca. vier Stunden Anreise kann man solche Sonnenuntergänge im Ebrodelta erleben.

Ich bin schon fast beim „Wegepunkt 3“ angekommen, da plötzlich ein kurzes Knarren, was war das? Hoppla, drei Palometas verfolgen den „kurzen“ Köder. Sofort schiebe ich den Bremshebel auf „FREE“ und hoffe, dass endlich etwas passiert. Im klaren Wasser sehe ich zwei größere und einen kleineren Palometa hinter der Äsche herjagen. Sie versucht zu flüchten, hat aber keine Chance – rums, ein großer Palometa hat die Äsche voll gepackt. Leine laufen lassen, eins-zwei-drei Bremse rein und anhauen; der hängt – und das alles auf Sicht! Jetzt schnell die Rute wieder in den Halter und die zweite Leine einholen.

Gleich zwei auf einen Streich?

Was jetzt, die zweite Meeräsche springt plötzlich mehrmals hektisch aus dem Wasser, die beiden anderen Palometas attackieren sie. Das darf doch nicht wahr sein, erst stundenlang kein Biss, dann gleich zwei unmittelbar hintereinander. Alleine habe ich mit zwei großen Palometas gleichzeitig nur eine kleine Chance. Keine fünf Minuten später überkreuzen sich die Leinen und päng, zwei Fische und zwei Vorfächer verloren. Oh je, jetzt sind schon 4 Köder weg und immer noch kein Fisch. Weiter geht’s, neuer Köder neues Glück. Zwei Minuten später der nächste Biss, fantastisch wie der Palometa die Äsche in die Luft wirft und sie dann nimmt. Der hängt richtig; die zweite Angel rein, auch das geht gut. Endlich ein Drill am 30 lb Gerät, nach nicht einmal 10 Minuten ist der Fisch am Boot, ein mittleres Exemplar von etwa 15 kg. Erst mal sehen wo und wie der Haken sitzt. Tatsächlich ich komme mit der Zange problemlos heran und kann den Fisch freilassen. Hier scheint heute der Platz zu sein, an dem sich die Palometas rumtreiben. Schnell neu angeködert und weiter geht’s.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag

Keine 5 Minuten später der nächste Biss, diesmal auf die lange Leine. Ich sehe nur den Schwall, als der Palometa die Äsche attackiert; erst nehmen lassen, dann anfahren. Für einen Anhieb von Hand bei dieser Entfernung, ist die 20 lb Bootsrute zu kurz. Der Fisch scheint gut zu hängen. Was für eine Flucht, wahrscheinlich ein großes Exemplar. Ich muss zweimal mit dem Boot mitfahren, um Schnur einholen zu können. Der Fisch bleibt tief, ich habe noch nichts von ihm gesehen. Der Drill dauert schon fast eine halbe Stunde, er könnte sich doch endlich mal zeigen. Immer schön langsam, nur nichts erzwingen wollen – es wird schon werden. Mittlerweile bin ich schweißgebadet, der Fisch steht nahe am Boot, aber immer noch über Grund. Jetzt fängt er auch noch an zu bocken. Mit der 20 lb Leine kann ich ihn unmöglich hoch pumpen. Noch eine Flucht, aber jetzt kommt er endlich hoch; wild schlägt er immer noch mit dem Kopf um sich und ist ungefähr 30 Meter entfernt; jetzt kann es kritisch werden, deshalb klappe ich zuerst den Motor hoch. Und tatsächlich kommt was ich befürchtet habe; der Fisch schießt geradewegs aufs Boot zu, drunter durch und ab geht die Post, die nächste Flucht. Ein großer Palometa, er ist sicher über 25 kg schwer. Wäre auf dieser Leine wahrscheinlich neuer IGFA-Rekord. Soll ich den Fisch gaffen? Mal sehen wie er hängt, vielleicht kann ich ihn freilassen. Als er ruhiger wird, greife ich mit einer Hand das Vorfach und mit der anderen stelle ich die Angel in den Rutenhalter. Jetzt bringt er mich beinahe aus dem Gleichgewicht; gerade noch mal gut gegangen. Für den Fisch leider nicht, keine Spur vom 10/0 Haken. Er hat den Köder verschluckt. Da muss ich ihn wohl oder übel doch mitnehmen. Es bereitet mir große Mühe den Fisch von Hand ins Boot zu bringen, so schwer ist er; hätte doch besser das Gaff nehmen sollen. Ein toller Palometa, bin mal gespannt was der wiegt.

Der erste Pez Lemon in diesem Jahr

Ich bin zufrieden und glücklich! Der Wind hat in der Zwischenzeit aufgefrischt und die 8 Kilometer bis zur Mündung gegen die Strömung sind auch nicht ohne. Ich schleppe doch lieber langsam in Richtung Heimat. Da war doch mal was – starker Wind und Pez Lemons – sie mögen leicht aufgewühlte See und kommen dann zum Rauben hoch. Aber soviel Glück steht mir doch heute gar nicht zu. Egal wie es wird, das Wetter ist immer noch traumhaft schön – also gemütlich Richtung Ebro geschippert und die Gedanken schweifen lassen. Für einen Angler und Sonnenanbeter wie mich, gibt es einfach nichts schöneres als bei herrlichem Wetter, auf einem warmen Meer zu schippern und dabei gewiss zu sein, dass hinter mir jeden Augenblick ein Fisch zupacken kann! Das Wasser wird jetzt flacher, ich nähere mich der Mündung. Das war’s dann wohl für heute. Aber was jetzt, ohne Vorwarnung „singt“ die 30er ihr schönstes Lied! Ein Crash Strike, Bremshebel hoch und Gas geben. Der Fisch hängt, hier bestimmt ein weiterer Palometa!? Was jetzt, der Fisch zieht mehr als 150 m Leine, gegen die angezogene Bremse, von der Rolle; nicht schlecht – scheint ja wieder ein Großer zu sein. Da zieht er schon wieder ab, dann noch eine lange Flucht. So kann es nicht weiter gehen, hier im Mündungsbereich sind zu viele Tonnen und Hindernisse. Gang rein und dem Fisch hinterher um die Leine kurz zu halten. Dieser Fisch ist aber wirklich bösartig, er flüchtet erneut. Mittlerweile bin ich wieder dort wo ich herkomme, im tiefen Wasser. Ist es vielleicht doch ein Pez Lemon?

Schon über eine halbe Stunde hält mich der Fisch in Atem

Mittlerweile sind die Fluchten zwar nur noch kurz, aber jetzt ist „Stellungskrieg“ über Grund angesagt. Er will und will nicht an die Oberfläche. Durch die Abdrift wird das Wasser immer tiefer und der Fisch geht immer weiter runter. Gott sei Dank bin ich aus dem Bereich der Bojen heraus. Nach 50 Minuten kann ich den Fisch die ersten Meter anheben und bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass es ein Pez Lemon sein muss; das wäre mein Erster in dieser Saison! Jetzt erst mal die Gaffs fertig machen. Endlich, nach fast einer Stunde sehe ich den Fisch im klaren Wasser. Ein Pez Lemon wie vermutet, aber scheinbar gar nicht mal so groß; es sind halt zähe und harte Kämpfer – eine Stunde am 30 lb Gerät und dann noch nicht einmal 30 kg schwer! Die Landung geht glatt, der Fisch war am Ende doch fertig. Während dem Drill bin ich fast vier Kilometer abgetrieben. Gegen Wind und Strömung geht’s überglücklich und zufrieden zurück zur Wiegestelle und dann Feierabend. Tja was bleibt zu sagen, der Palometa wog 29,5 Kg, wäre nicht nur IGFA-Leinenklassen sondern All-Tackle Weltrekord geworden. Vielleicht muss ich doch einmal einen Fisch anmelden. Bei dem Pez Lemon habe ich mich verschätzt; er wog nur 22 Kg und dann so ein Kampf – unglaublich! Jetzt noch die Fische filetieren, dann bin ich gegen 17.30 Uhr bei meiner Familie. Ach ja, heute Abend gibt’s Pez Lemon – Filet in Butter gebraten – ein Genuss an der Angel und auf dem Teller!

Noch eins, im Ebro selbst und in den Stauseen kann man auch mit großen Chancen auf Welse, Zander, Karpfen, Barben und Schwarzbarsch angeln!

Jeweils knapp 30 kg Palomata-Dynamit.