Grand Carongue - Rodrigues

»Riffangeln«

Wir sind am „Ende der Welt“ angekommen.

Es heißt Rodrigues, liegt 290 Seemeilen östlich von Mauritius, ist 18 x 8 km groß und zählt 35.000 Einwohner. Eine mehr als doppelt so große, schillernd blaue Lagune schließt die Insel ein. Ein paradiesischer Anblick, an einigen Stellen ist das Korallenriff bis zu sieben Kilometer vom Ufer entfernt und es riecht nach Fisch. Stephan hat alles organisiert und ich weiß was mich erwartet – Angeln rund um die Uhr. Stephan: „Wenn wir mal da sind, darf die Leine nicht trocken werden“. Fünf Tage haben wir die Dorado I gechartert. Wir haben das Gefühl ein „jungfräuliches“ Revier zu durchstreifen. Wir fangen große Goldmakrelen, Wahoos, Gelbflossenthune und sogar einen Hundezahnthun. Die Fische beißen den ganzen Tag über und sind nicht wählerisch. Auch Segelfische interessieren sich für unsere Kunstköder. Leider bekommt man hier keine Baloas oder andere Köderfische. Mit „Plastik“ auf Sail ist schwierig bzw. Glückssache.

Robert mit 115 lb Giant Trevally.

Marlinsaison ist im Februar und März.

Trotzdem fängt ein anderes Boot zwei Blues mit 180 und 350 lb. Bei unseren Offshore-Ausfahrten erreichen wir schnell das „Klassenziel“. Aber Stephan hat selbstverständlich auch unsere Abende „verplant“. Zurück im Hotel wird das Offshore-Gerät mit dem Inshore-Gerät vertauscht und ohne Pause geht es weiter. Jean unser Guide wartet schon. Flut – wir müssen an die Riffkante. Mit Full Speed geht es mit unserem 5-m-Boot in einen Kanal, der sich von der offenen See kommend wie ein Fluss durch das Riff schlängelt. Noch wissen wir nicht, was uns erwartet und haben deshalb leichtes und mittleres Gerät mitgenommen. Jean schiebt das „leichte Zeug“ zur Seite deutet auf die 30er: „Grand Carangue“ gleichzeitig zieht er ein großes Gaff unter der Sitzbank hervor. Wir schauen uns verwundert an und versuchen herauszubekommen was „Carongue“ bedeutet. Langsam dämmert uns, dass es sich um Giant Trevallies handeln muss. Das kann ja lustig werden! Wir schleppen die erste Runde, die Rappalas laufen in der richtigen Tiefe und Geschwindigkeit. Jean zeigt auf seine Uhr: „Carongue... cinq heur et demi“ und tatsächlich, kurz vor halb pfeifen die Rollen los – angesagter Doppelstrike! Der „Ernstfall“ ist eingetreten. Wir haben Riffische gehakt, die sich nicht sonderlich beeindrucken lassen. Mein Fisch schlitzt nach zehn Minuten aus. Stephan fängt seinen, Jean: „Carongue cinquante livres“. Es ist tatsächlich ein Giant Trevally. Bis zur Dunkelheit verlieren wir noch 2 Große und fangen 3 Mittlere. Unser Problem, nach dem Strike schwimmen die Monster meist in den Kanal bzw. ins Riff und unsere Wobbler oder Vorfächer landen in den Korallen oder Felsen. Am nächsten Tag ändern wir unsere Strategie drillen mit größerer Bremseinstellung. Es funktioniert, 2 Monster drehen um und versuchen die offene See zu erreichen. Jetzt haben wir eine Chance. Dort warten aber andere Probleme. Jean muss den Fischen folgen und gleichzeitig aufpassen, dass wir nicht in den „ewigen Fischgründe“ enden.

Stephan mit 72 lb Wahoo.

Hohe Wellen und ein Riff, da mischt der Teufel die Karten! Außer, dass uns das Wasser beim Hals rein und bei den Füßen wieder rauslief, ist Poseidon sei Dank nichts passiert.

Unser Skipper (links) freut sich über jeden Fisch.
Teilweise wurde es richtig ungemütlich.
Bluefin Trevally.

Bei jeder Ausfahrt hakten wir zwischen 10 und 20 Fische. Die größten: 4 Giant Trevallies 88, 105, 110 und 115 lb, 2 Big Eye Trevallies mit jeweils 25 lb und einen Bluefin Trevally mit 20 lb.Wir benutzten 20 und 30 lb Ausrüstungen. Wir erlebten, wie Trevallies beste Drillinge und Springringe aufbogen und Meereswobbler wie Nüsse knackten. Mit Sicherheit verloren wir Fische bis 150 lb. Das Angeln im kleinen Boot unter solchen Bedingungen ist eine harte Angelegenheit. Unsere Abschürfungen, Schnitte und blauen Flecke haben wir nicht gezählt. Auch mussten wir am Schluss tief in die Angelkiste greifen und „das letzte Aufgebot“ montieren. Eins ist gewiss, Rodrigues wird uns bald und besser vorbereitet wiedersehen.

Erst zu Hause stellten wir fest, den einen oder anderen „Weltrekord“ gefangen zu haben.