ICEBLUE auf der Banco do Noroeste

Dort wo Marlin + Wahoo wohnen!

Seit unserer XXL-Tuna-Tour (Canso, Kanada 2009) kenne ich den Besitzer der ICEBLUE; auf den Azoren 2012 fingen Mark und ich dann auch noch große Marline und erlebten miteinander auch noch so manch anderes Abenteuer - eine Anglerfreundschaft war geboren! Dort hatten Timur, Mark und ich dann auch die Idee, 2013 auf den Kapverden als „Team-ICEBLUE“ zu angeln. Mark S. ist stolzer Besitzer einer 44er TIARA; seine ICEBLUE ist mit zwei 750 PS Caterpillar-Dieseln, hochmodernen Steuer-, Navigationssystemen und anderer nützlicher Kontroll- und Regelungstechnik ausgestattet – für mich ein technisches Wunderwerk und ein absolut neues Steuer- und Fahrgefühl.

Nach meinem Dafürhalten ist die ICEBLUE ideal für die harten Wetterverhältnisse vor den Kapverden geeignet! An Bord sind für alle Arten des Meeresangelns Topp-Angelausrüstungen, das entsprechende Zubehör und dazu auch noch optimal verstaut bzw. schnell einsatzbereit! Seit zwei Jahren liegt die ICEBLUE in der Marina-Mindelo, auf der Insel Sao Vicente, Capo Verde.

Am 24. April 2013 begann unser Abenteuer; und gemeinsam mit der ersten Gruppe flogen wir direkt nach Sao Vicente. Vor Ort hatte der Profi-Kapitän Petro Comez die ICEBLUE bereits gewartet und bestens vorbereitet. Seine Einweisung und Erklärungen waren umfangreich und gerade mir brachten sie viele neue und wichtige Erkenntnisse! Nach Rücksprache mit dortigen Crews und auch der Empfehlung Petros folgend, beschlossen wir Mehrtages-Touren auf die Banco do Noroeste zu machen. Dieses „Marlin-Eldorado“ liegt nordwestlich von Santo Antao, zirka 50 Seemeilen Fahrstecke von der Marina-Mindelo entfernt.

Um solche Touren zu planen und durchführen zu können, muss genügend Proviant eingekauft werden, das Übernachten an Bord geregelt und die gesamten Bordarbeiten eingeteilt werden – das Ganze erfordert also eine disziplinierte Seemannschaft. Auch müssen alle Teilnehmer die meist ungünstigen Seebedingungen im Kanal und auf der Bank aushalten, soll sagen: Keiner darf auch nur ansatzweise unter Seekrankheit leiden. Am 26. April ging es dann endlich los; bei recht ruppiger See mit Windstärken bis Bf. 6 kämpften wir uns durch den Kanal in Richtung Santo Antao; fünf Seemeilen vor der Bank kamen dann endlich unsere Lures ins Wasser.

Unsere Lures: Das gesamte BluewaterFishing-Programm und einige Pakulla-Lures; zusätzlich Iland- und meine Wahoo-Eigenbaulures. Zur Sicherheit für die Angler und uns angelten wir (wie immer) mit Wind-On-Vorfächern. Zur Schonung der Marline waren alle Lures mit Einhaken-Rigs montiert.


Die Gruppe 1: Mark, Skipper/Crew und Angler (NL), ich – Crew/Skipper (BY), Peyxe - Crew (CV), Timur – Angler/Sterne-Schiffskoch (TR), Milosz – Angler (PL), Joachim – Angler/Crew (Ö/D); hier ihre Ausbeute:

Tage h Gebiet Blue Marlin (in lb geschätzt *) Catch : HUs Wahoos White Marlin
26.04. 3 NW-Bank Timur: 600 + 250 2 : 4 - Joachim: 60lb
27.04. 6 NW-Bank Milosz: 400 + 350, Mark: 500 3 : 8 2: 30, 40 lb -
28.04. 5 Rückweg Joachim: 650 1 : 3 2: 40, 50 lb -
29.04. 3 NW-Bank Timur: 350, Joachim: 250 2 : 4 3: 20, 50, 60 lb -
30.04. 6 S. Antao Jigging u. Boden dabei leider nur kleine Fische bis zirka 1,5 kg
5 23   8 8 : 19 7 1

Die Jungs hatten drei Doppel-Hook-Ups und vier ihrer Marline fingen sie Stand-Up! Leider waren in dieser Woche die Wetterbedingungen meist grenzwertig. Zusätzlich nahmen auch noch die Marline nur zaghaft bzw. attackierten unsere Lures meist nur mit dem Schwert, ohne dabei richtig zupacken zu wollen.

Für Milosz und Joachim waren es die ersten Marline: Blut, Schweiß, Tränen und viel zu viel Adrenalin im Blut – wohl wie bei jedem von uns beim „ersten Mal“!?

Den internen Wettbewerb der Gruppe 1 „wer fängt den größten Blue“ gewann Joachim und erhielt als Preis den von Timur gestifteten Pokal und die Ehre, uns zum Abendessen einladen zu dürfen.

Am 2. Mai fand gleichzeitig eine Abschieds- und Willkommemsfeier statt – mit allem was dazu gehört!

Die Gruppe 2: Frank – Angler (NL), Jeantino – Angler (NL), Frank – Angler/ Schiffskoch (B); ihre Ausbeute:

Tage h Gebiet Blue Marlin in lb geschätzt *) Catch : HUs Wahoos andere Fische
04.05. 5 St. Pedro kein Fischkontakt - - -
05.05.     zu schlechtes Wetter      
06.05. 4 NW-Bank Frank-NL: 680 + 600, Jeantino: 300, Frank-B: 250 + 300 5 : 8 4 Jeantino: Big-Eye 140
07.05. 7 NW-Bank Jeantino: 650 + 700plus + 350, Frank-NL: 450 + 400, Frank-B: 600 6 : 9 3 -
08.05. 4 NW-Bank leider nur 3 Hook-Ups 0 : 3 3 1 Rainbow Runner, 3 Albacore
09.05. 6 NW-Bank Mark: 300, Frank-NL: 700plus, Jeantino: 300 3 : 3 2 -
6 26   14 14 : 23 12 5

HUs“ = Hook-Ups; „h“ = so viele Stunden waren die Lures im Wasser; „*)“ von Mark, Pexye und mir geschätzt Gewichte in englischen Pound (lb).

Die Jungs hatten 2 Doppel-Hook-Ups und 3 ihrer Marline fingen sie Stand-Up. Die Wetterbedingungen der zweiten Gruppe waren wesentlich besser als die der ersten Gruppe.

Hier mein Versuch einer statistischen Auswertung (mit keinerlei Anspruch auf CV-Gültigkeit):

Unsere erfolgreichsten Marlin-Lures: BWF Grander (mein Sondermodell) 1238 black/purple und BWF Big Smoker hellblau/silber/weiß; auf Wahoo: Iland HooLaHood-Flasher und meine Eigenbau-Lures. Auch die von mir mitgebrachte PLATIL-Marine-Mono Leine (Made in Germany) bewährte sich bestens!

Resümee:

Als „ICEBLUE-Skipper/Crew-Team“ lernten Mark und ich sehr viel dazu, wir sind jetzt praxiserfahrener und bereit für weitere Abenteuer.

Poseidon sei Dank hatten wir keine nennenswerten technischen Probleme und verursachten auch keine größeren Schäden mit und an der ICEBLUE. Dass Amateure wie wir in einem solch schwierigen Seegebiet (Sao Vicente – Santo Antao – Banco do Noroeste) so erfolgreich angelten, manövrierten und dabei auch noch schadlos durchkamen, forderte uns eine Menge Können, Disziplin und Konzentration ab. Trotz aller Vorsicht landeten wir dann doch in einem Netz; Frank C. überlegte nicht lange, sprang beherzt ins Wasser und befreite uns von unserem Übel! 

Zum Switchen waren in Mindelo leider keine Ballyhoos zu bekommen; ein Fehler in unserer Planung - das wird uns beim nächsten Mal garantiert nicht mehr passieren!

Bei der Planung und Organisation hatte ich Bedenken, dass zwei solch willkürlich und dazu auch noch aus verschiedenen Ländern zusammen gewürfelte Gruppen länger problemlos miteinander auskommen. Aber! Außer, dass ich leider kein Holländisch/Flämisch kann, erlebte ich lustige Tage mit diesen Jungs aus Polen, den Niederlanden, der Türkei, Belgien und Österreich!

Das Wichtigste für mich ist aber: Außer blauen Flecken, Blutblasen, Kopfschmerzen (aber nicht vom Angeln) und Muskelkater gab es keine größeren Verletzungen; auch steht die ICEBLUE jetzt wieder tip-top in der Marina-Mindelo – bereit für einen neuen Kampfeinsatz!

Zum Thema „Speed-Jigging“: Auch diese „moderne uns sportliche Angelmethode“ probierten wir an zwei Tagen – wie immer verlorene Zeit bzw. ohne präzise Ortskenntnis oder Guide meines Erachtens eine brotlose Kunst. Aber! Laut Hören-Sagen sollen sich in großer Tiefe „Madeira-Grouper“ rumtreiben und auch regelmäßig von spanischen Anglern gefangen werden!? Immerhin fingen wir beim Bodenangeln mit Filetstreifen leckeres für die Pfanne.

Alle gegafften Fische der Gruppen 1 + 2 wurden an die Einheimischen verschenkt oder mit großem Genuss von uns verspeist!

Abschließend mein ganz besonderen Dank an den Kanaren-Profi-Kapitän Petro Gomez für seine Topvorbereitung der ICEBLUE, die intensive Einweisung und die vielen guten Tipps; auch ist Petro ein sehr liebenswerter und humorvoller Zeitgenosse! Dem deutschen Profi-Kapitän Mathias Henningsen danke ich für sein Versprechen, uns bei Problemen jederzeit umgehend zu helfen.

Robert Rein, München im Mai 2013